FINANZLEXIKON · KREDITE & SCHULDEN
Sollzins einfach erklärt
Der Sollzins ist der Zinssatz, den du für das geliehene Geld zahlst. Er zeigt, wie teuer die reine Verzinsung des noch offenen Kreditbetrags ist.
Kurz erklärt
Wenn du 100.000 € leihst und der Sollzins 4 % pro Jahr beträgt, fallen auf eine unveränderte Restschuld vereinfacht 4.000 € Zinsen pro Jahr an. Bei einem tilgenden Kredit sinkt die Restschuld jedoch laufend, deshalb sinken auch die tatsächlich anfallenden Zinsen mit der Zeit.
Wie wird der Sollzins berechnet?
Die Zinsen werden auf die jeweils offene Restschuld berechnet. Je höher die Restschuld und je höher der Sollzins, desto höher sind die Zinskosten. Bei einem Annuitätendarlehen wird die Restschuld regelmäßig kleiner, weil ein Teil jeder Rate zur Tilgung verwendet wird.
Vereinfacht gilt:
Restschuld × Sollzins = ungefähre jährliche Zinsbelastung
Für die exakte Berechnung sind Zahlungszeitpunkte und der fortlaufende Tilgungsverlauf zu berücksichtigen.
Was bedeutet „gebundener Sollzins“?
Bei vielen Krediten, insbesondere Immobilienfinanzierungen, wird der Sollzins für einen bestimmten Zeitraum festgeschrieben. Das nennt man Sollzinsbindung. Während dieses Zeitraums ändert sich der vereinbarte Zinssatz grundsätzlich nicht.
Das schafft Planungssicherheit. Nach Ende der Sollzinsbindung kann für eine verbleibende Restschuld jedoch ein neuer Zinssatz gelten.
Sollzins und Effektivzins: der wichtigste Unterschied
Der Sollzins beschreibt vor allem die Verzinsung des geliehenen Kapitals. Der effektive Jahreszins berücksichtigt darüber hinaus weitere preisbestimmende Faktoren und Kosten, soweit sie nach den gesetzlichen Vorgaben in die Berechnung einzubeziehen sind.
Deshalb kann ein Kredit mit einem etwas niedrigeren Sollzins trotzdem einen höheren Effektivzins haben. Für den Vergleich ähnlicher Kreditangebote ist der Effektivzins meist aussagekräftiger als der Sollzins allein.
Warum reicht der Sollzins für einen Kreditvergleich nicht?
- Zusätzliche preisbestimmende Kosten können den Kredit verteuern.
- Unterschiedliche Laufzeiten und Tilgungsverläufe verändern die Gesamtkosten.
- Bei Immobilienkrediten ist die Restschuld nach Ende der Zinsbindung besonders wichtig.
- Vertragsbedingungen wie Sondertilgungen und Tilgungssatzwechsel beeinflussen die Flexibilität.
Typische Fehler
- Sollzins mit Effektivzins gleichsetzen: Beide Kennzahlen erfüllen unterschiedliche Zwecke.
- Nur auf den Zinssatz schauen: Rate, Laufzeit, Restschuld und Vertragsbedingungen gehören ebenfalls zum Vergleich.
- Zinsbindung mit Gesamtlaufzeit verwechseln: Ein Kredit kann nach Ende der Zinsbindung noch lange nicht vollständig getilgt sein.
- Nominale Zinskosten überschätzen oder unterschätzen: Bei laufender Tilgung verändert sich die Restschuld ständig.
Häufige Fragen zum Sollzins
Ist ein niedriger Sollzins automatisch der günstigste Kredit?
Nein. Für einen sinnvollen Vergleich müssen weitere Kosten und die konkrete Vertragsgestaltung berücksichtigt werden. Deshalb ist unter anderem der effektive Jahreszins wichtig.
Wird der Sollzins auf den ursprünglichen Kreditbetrag berechnet?
Bei einem üblichen Tilgungsdarlehen werden Zinsen auf die jeweils offene Restschuld berechnet. Diese sinkt durch die Tilgung im Zeitverlauf.
Kann sich der Sollzins ändern?
Bei einem gebundenen Sollzins bleibt er für den vereinbarten Zeitraum fest. Bei variablen Zinsen oder nach Ende einer Zinsbindung kann sich der Zinssatz ändern.
Verwandte Begriffe
Effektivzins · Tilgung · Annuität · Annuitätendarlehen · Restschuld · Zinsbindung · Anschlussfinanzierung
Quellen: § 16 PAngV – Verbraucherdarlehen und effektiver Jahreszins und Verbraucherzentrale – Kredite und Darlehen.
Hinweis: Diese Erklärung dient der allgemeinen Information und ist keine individuelle Kredit- oder Finanzberatung.