THEMA

VERÖFFENTLICHT

LESEZEIT

3–4 Minuten
Smartphone, Bankkarte und Checkliste als Symbol für den Wechsel eines Girokontos

BANKING · RATGEBER


Girokonto wechseln: Darauf solltest du bei Kosten, Karten und Dispozins achten

Ein Girokonto begleitet dich jeden Tag. Umso wichtiger ist es, nicht nur auf die monatliche Grundgebühr zu schauen, sondern auf das gesamte Preis- und Leistungspaket.

Ein vermeintlich kostenloses Girokonto kann durch Kartenentgelte, Bedingungen für den Mindestgeldeingang, Gebühren für Bargeldabhebungen oder hohe Dispozinsen am Ende deutlich teurer werden als gedacht. Die BaFin weist in ihrem neutralen Kontenvergleich ausdrücklich darauf hin, dass selbst ein Konto mit 0,00 Euro monatlichem Entgelt nicht automatisch vollständig kostenlos ist.

1. Zuerst das eigene Nutzungsverhalten klären

Bevor du Konten vergleichst, solltest du wissen, was du tatsächlich brauchst. Wer fast alles per Smartphone erledigt, stellt andere Anforderungen als jemand, der regelmäßig Bargeld einzahlt oder persönliche Beratung in einer Filiale möchte.

  • Brauchst du ein Filialnetz oder reicht Online-Banking?
  • Wie oft hebst du Bargeld ab – und an welchen Automaten?
  • Benötigst du eine physische Debitkarte, eine echte Kreditkarte oder beides?
  • Reist du häufig außerhalb des Euroraums?
  • Nutzt du deinen Dispokredit regelmäßig?
  • Ist ein bestimmter monatlicher Geldeingang realistisch?

2. Kontoführungsgebühr ist nur der Anfang

Die Grundgebühr ist leicht zu vergleichen, sagt aber wenig über die Gesamtkosten aus. Prüfe deshalb immer das Preis- und Leistungsverzeichnis. Mögliche Zusatzkosten entstehen zum Beispiel für Debit- oder Kreditkarten, beleghafte Überweisungen, Bargeldversorgung, Fremdwährungseinsatz oder Ersatzkarten.

Praxisregel: Rechne die realistischen Kosten für ein ganzes Jahr zusammen. Erst dann siehst du, ob ein Konto wirklich günstig ist.

3. Debitkarte und Kreditkarte nicht verwechseln

Eine Debitkarte belastet dein Konto in der Regel unmittelbar oder zeitnah. Bei einer klassischen Kreditkarte werden Umsätze typischerweise gesammelt und später abgerechnet. Für viele Alltagszahlungen reicht eine Debitkarte völlig aus. Bei Mietwagen, Hotels oder bestimmten Auslandsreisen kann eine echte Kreditkarte aber praktischer sein.

Achte deshalb nicht nur darauf, ob „eine Karte inklusive“ ist, sondern welche Kartenart gemeint ist, wie hoch mögliche Jahresgebühren sind und welche Kosten beim Einsatz im Ausland entstehen.

4. Der Dispozins kann wichtiger sein als die Kontogebühr

Wer den Dispokredit regelmäßig nutzt, sollte den Zinssatz besonders ernst nehmen. Ein Unterschied von mehreren Prozentpunkten kann bei dauerhafter Überziehung mehr kosten als die komplette Jahresgebühr eines Kontos.

Der Dispo ist für kurzfristige Engpässe gedacht, nicht als dauerhafte Finanzierung. Wenn dein Konto über mehrere Monate im Minus bleibt, ist das meist ein Signal, Einnahmen und Ausgaben neu zu ordnen und gegebenenfalls günstigere Alternativen zu prüfen.

5. Bargeldversorgung und Auslandskosten prüfen

Ein günstiges Onlinekonto bringt wenig, wenn du bei jeder zweiten Bargeldabhebung Gebühren zahlst. Prüfe deshalb, an welchen Automaten du kostenlos abheben kannst, ob es Mindestabhebebeträge gibt und was Abhebungen im Ausland kosten.

Bei Zahlungen in Fremdwährungen können zusätzlich Auslandseinsatzentgelte oder ungünstige Umrechnungskurse eine Rolle spielen. Wer häufig reist, sollte diese Punkte stärker gewichten als jemand, der fast ausschließlich in Euro bezahlt.

6. Mindestgeldeingang und Bedingungen lesen

Viele Kontomodelle sind nur unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos oder günstiger. Typisch sind monatliche Mindestgeldeingänge oder Altersgrenzen. Wichtig ist, ob du diese Bedingungen dauerhaft erfüllst – nicht nur im Monat der Kontoeröffnung.

7. Neutral vergleichen: Der BaFin-Kontenvergleich

Die BaFin betreibt eine kostenfreie und neutrale Vergleichswebsite für in Deutschland angebotene Giro- und Basiskonten. Dort lassen sich unter anderem Kontoführungsentgelte, Dispozinsen, Karten und verschiedene Leistungsmerkmale filtern. Die BaFin gibt dabei keine Produktempfehlung ab.

8. Der Kontowechsel ist gesetzlich unterstützt

Nach dem Zahlungskontengesetz haben Verbraucher unter den gesetzlichen Voraussetzungen Anspruch auf Kontenwechselhilfe. Auf Wunsch unterstützen die beteiligten Zahlungsdienstleister den Wechsel. Dazu gehören unter anderem Informationen zu Daueraufträgen, Lastschriften und eingehenden Überweisungen. Die gesetzliche Hilfe ersetzt trotzdem nicht die eigene Kontrolle: Prüfe nach dem Wechsel mehrere Wochen lang, ob Gehalt, Miete, Versicherungen, Abos und andere regelmäßige Zahlungen korrekt laufen.

Checkliste vor dem Wechsel

  • Jährliche Gesamtkosten statt nur Monatsgebühr vergleichen
  • Kartenart und Kartenkosten prüfen
  • Dispozins vergleichen
  • Bargeldversorgung im Alltag testen
  • Auslandseinsatz und Fremdwährungskosten prüfen
  • Bedingungen wie Mindestgeldeingang beachten
  • Online-Banking, App und TAN-Verfahren prüfen
  • Altes Konto nicht sofort schließen, bis alle Zahlungspartner umgestellt sind

Fazit

Das beste Girokonto ist nicht automatisch das billigste. Entscheidend ist, welches Modell zu deinem tatsächlichen Nutzungsverhalten passt. Ein transparenter Jahreskostenvergleich, ein Blick auf Karten- und Bargeldkosten sowie der Dispozins liefern meist ein deutlich besseres Bild als ein Werbeslogan wie „0 Euro Kontoführung“.


Quellen & weiterführende Informationen

Stand: September 2026. Allgemeine Information, keine individuelle Finanz- oder Rechtsberatung.

WERTNOTIZ-CHECK

Vor einer Entscheidung kurz prüfen.

01 · KOSTEN

Was kostet die Entscheidung insgesamt – nicht nur auf den ersten Blick?

02 · RISIKO

Welche Nachteile, Schwankungen oder Unsicherheiten bleiben?

03 · BINDUNG

Wie leicht lässt sich die Entscheidung später ändern oder beenden?

04 · NÄCHSTER SCHRITT

Welche Zahl, Quelle oder Vertragsbedingung solltest du als Nächstes prüfen?


Hinweis: Wertnotiz bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Finanz-, Anlage-, Kredit-, Versicherungs-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Entdecke mehr von Wertnotiz

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen