FINANZLEXIKON · ALTERSVORSORGE & SOZIALVERSICHERUNG
Versorgungslücke einfach erklärt
Die Versorgungslücke ist die Differenz zwischen dem finanziellen Bedarf im Ruhestand und den voraussichtlichen Alterseinkünften aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge.
Was bedeutet Versorgungslücke?
Von einer Versorgungslücke spricht man, wenn die voraussichtlichen Einkünfte im Ruhestand nicht ausreichen, um den gewünschten oder benötigten Lebensstandard zu finanzieren. Dabei geht es nicht nur um die gesetzliche Rente, sondern um die gesamte Altersvorsorge.
Zu den möglichen Alterseinkünften gehören insbesondere gesetzliche Renten, Betriebsrenten, private Rentenversicherungen, Auszahlpläne, Kapitalvermögen, Mieteinnahmen oder andere regelmäßige Einkünfte.
Wie wird die Versorgungslücke berechnet?
Vereinfacht lässt sich die monatliche Versorgungslücke mit folgender Grundformel bestimmen:
Gewünschter Finanzbedarf im Ruhestand − voraussichtliche monatliche Netto-Alterseinkünfte = Versorgungslücke
Für eine realistische Planung sollten möglichst vergleichbare Größen verwendet werden. Wer den späteren Bedarf in heutiger Kaufkraft schätzt, sollte auch die Alterseinkünfte entsprechend inflationsbereinigt betrachten. Werden dagegen zukünftige Nominalbeträge verwendet, muss die Inflation auch beim künftigen Bedarf berücksichtigt werden.
Ein einfaches Beispiel
Eine Person rechnet im Ruhestand mit einem monatlichen Finanzbedarf von 2.500 Euro. Aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge erwartet sie zusammen voraussichtlich 2.050 Euro netto pro Monat.
Die rechnerische Versorgungslücke beträgt damit:
2.500 Euro − 2.050 Euro = 450 Euro pro Monat
Die tatsächliche Lücke kann sich später noch verändern, beispielsweise durch Inflation, Rentenanpassungen, Steuern, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung oder Änderungen beim persönlichen Ausgabenbedarf.
Welche Alterseinkünfte sollten berücksichtigt werden?
- gesetzliche Rentenansprüche
- betriebliche Altersversorgung und Betriebsrenten
- private Renten- und Vorsorgeverträge
- regelmäßige Entnahmen aus Wertpapier- oder sonstigem Vermögen
- Miet- oder Pachteinnahmen
- sonstige dauerhaft verfügbare Einkünfte im Ruhestand
Ein sinnvoller Ausgangspunkt für die gesetzliche Rente ist die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Sie zeigt unter anderem die bislang erworbenen Ansprüche und enthält Hochrechnungen unter bestimmten Annahmen. Für einen umfassenderen Überblick können zusätzlich Informationen aus betrieblicher und privater Altersvorsorge herangezogen werden.
Warum ist Inflation so wichtig?
Bei langen Zeiträumen kann Inflation die Kaufkraft deutlich verändern. Ein Betrag von 2.500 Euro in vielen Jahren hat möglicherweise eine geringere Kaufkraft als 2.500 Euro heute. Deshalb sollte bei der Berechnung klar unterschieden werden zwischen heutiger Kaufkraft und zukünftigen nominalen Beträgen.
Je länger der Zeitraum bis zum Ruhestand, desto stärker kann die gewählte Inflationsannahme das Ergebnis beeinflussen. Eine Versorgungslückenrechnung ist daher immer eine Planung und keine exakte Vorhersage.
Welche Ausgaben verändern sich im Ruhestand?
Das heutige Nettoeinkommen sollte nicht automatisch eins zu eins als späterer Bedarf angesetzt werden. Manche Ausgaben können im Ruhestand wegfallen oder sinken, andere dagegen steigen.
- Arbeitsweg und berufsbedingte Kosten können sinken.
- Kredite können bis zum Ruhestand vollständig getilgt sein.
- Freizeit-, Reise- oder Gesundheitsausgaben können steigen.
- Wohnkosten bleiben auch bei schuldenfreiem Eigentum bestehen, etwa für Instandhaltung, Energie und Abgaben.
- Pflege- oder Unterstützungsbedarf kann zusätzliche Kosten verursachen.
Steuern und Sozialabgaben nicht vergessen
Brutto-Renten- oder Vorsorgebeträge sind nicht automatisch vollständig als verfügbares Einkommen nutzbar. Je nach Einkunftsart und persönlicher Situation können im Ruhestand Einkommensteuer sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung anfallen. Für eine realistische Versorgungslückenrechnung sind daher möglichst die voraussichtlich verfügbaren Netto-Einkünfte entscheidend.
Wie kann eine Versorgungslücke reduziert werden?
Wird frühzeitig eine mögliche Versorgungslücke erkannt, bestehen grundsätzlich mehrere Stellschrauben. Dazu gehören beispielsweise eine höhere Sparrate, zusätzliche betriebliche oder private Altersvorsorge, ein längerer Anlagezeitraum, ein späterer Rentenbeginn oder eine Anpassung des geplanten Ausgabenbedarfs.
Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt von Einkommen, Alter, Risikobereitschaft, bestehender Vorsorge und persönlicher Lebensplanung ab.
Warum sollte die Berechnung regelmäßig aktualisiert werden?
Eine einmal berechnete Versorgungslücke bleibt nicht dauerhaft gleich. Einkommen, Rentenansprüche, Sparvermögen, Inflation, Familienplanung, Immobilienfinanzierung und gesetzliche Rahmenbedingungen können sich verändern. Deshalb ist es sinnvoll, die Rechnung in regelmäßigen Abständen und nach größeren Veränderungen der persönlichen Situation erneut zu prüfen.
Typische Fehler
- nur die gesetzliche Rente betrachten
- heutiges Nettoeinkommen unverändert als späteren Bedarf übernehmen
- Brutto- und Netto-Alterseinkünfte miteinander verwechseln
- Inflation nicht berücksichtigen oder heutige und zukünftige Geldwerte vermischen
- Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ausblenden
- eine einmalige Berechnung über Jahrzehnte unverändert verwenden
Verwandt: Altersvorsorge · Gesetzliche Rente · Renteninformation · Rentenpunkt
Quellen: Deutsche Rentenversicherung – Fragen und Antworten zur Renteninformation und Digitale Rentenübersicht.
Hinweis: Allgemeine Information, keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Vorsorgeberatung.
